Warum sich ein Stromspeicher lohnen kann – und wann nicht

Warum sich ein Stromspeicher lohnen kann – und wann nicht

Die Energieversorgung in Deutschland wird grundlegend umgestellt, bis 2030 sollen nach aktuellen Plänen der Bundesregierung mindestens 80 Prozent unseres Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energien stammen. Damit Solarstrom kontinuierlich zur Verfügung steht, sind Stromspeicher notwendig. So werden die Unterschiede zwischen Erzeugung und Verbrauch ausgeglichen und eine weitgehende individuelle Energieautonomie ermöglicht. 

Doch wann lohnt sich ein Stromspeicher? Ein Stromspeicher für die Photovoltaikanlage lohnt sich, wenn weitgehende individuelle Energieautonomie angestrebt wird, sich mit der Installation der Eigenverbrauch des selbst erzeugten Stroms maximiert und der Bezug von teurerem Netzstrom minimiert werden kann, oder wenn die Differenz zwischen der Einspeisevergütung und dem Strompreis groß ist. 

In diesem Beitrag erfahren Sie, unter welchen Bedingungen die Investition in einen Stromspeicher ökonomisch und ökologisch sinnvoll ist und wann Alternativen in Betracht gezogen werden sollten. Zudem erhalten Sie einen Überblick über die Vorteile, aber auch die Nachteile und Herausforderungen von Stromspeichern.

Einleitung: Die Rolle von Stromspeichern in der modernen Energieversorgung

Mit Blick auf die Energiewende und des zunehmenden Anteils erneuerbarer Energien spielen Stromspeicher eine entscheidende Rolle in der modernen Energieversorgung. Sie ermöglichen die Zwischenspeicherung von Strom und damit eine kontinuierliche Energieversorgung. Bei Photovoltaikanlagen lässt sich mit Stromspeichern die Eigenverbrauchsrate von 20 bis 30 Prozent auf etwa 70 Prozent steigern. 

Klimaneutralität bis 2045 ist das Ziel der Bundesregierung. Die aktuelle Energiewende-Politik fördert den Ausbau erneuerbarer Energien und den Einsatz von Speichertechnologien, um eine zuverlässige, nachhaltige und klimafreundliche Energieversorgung zu gewährleisten. Bis 2030 soll nach aktuellen Plänen der Bundesregierung der Anteil an erneuerbaren Energien am gesamten Strombedarf auf mindestens 80 Prozent steigen, aktuell liegt er bei gut 50 Prozent. Immer mehr Verbraucher setzen auf selbst erzeugten, günstigen Solarstrom aus Photovoltaikanlagen. Der Markt für erneuerbare Energien wächst rasant, und mit ihm die Notwendigkeit für effiziente Stromspeicher, die eine Schlüsselkomponente für die erfolgreiche Integration erneuerbarer Energien in das Energiesystem darstellen.

Vorteile von Stromspeichern 

Stromspeicher bieten für Besitzer privater Photovoltaikanlagen eine Reihe ökonomischer und ökologischer Vorteile: 

  • Erhöhung des Eigenverbrauchs: Durch die Speicherung des tagsüber produzierten Solarstroms steht dieser auch in der Dämmerung und nachts zur Verfügung. Der Eigenverbrauch von Solarstrom kann erhöht und damit die Abhängigkeit vom öffentlichen Stromnetz reduziert werden.
  • Erhöhung der Autarkie: Mit einer reinen Photovoltaikanlage ohne Batteriespeicher kann eine Autarkie von etwa 30 bis 35 Prozent erreicht werden, mit Stromspeicher sind es 70 bis 80 Prozent.
  • Unabhängigkeit und Sicherheit: Stromspeicher erhöhen die Unabhängigkeit von externen Energieversorgern und steigenden Energiepreisen. Mit einigen Systemen können sie zudem eine Notstromversorgung bei Stromausfällen gewährleisten und so die Versorgungssicherheit erhöhen.
  • Senkung der Stromkosten: Dank höherem Eigenverbrauch wird weniger Strom von externen Energieversorgern benötigt. Über die Zeit ergeben sich damit potenzielle finanzielle Einsparungen.
  • Optimierung der Stromnutzung: Moderne Batteriespeicher sind oft mit intelligenten Energiemanagement-Systemen verbunden, die eine optimale Nutzung von selbsterzeugten Strom ermöglichen, beispielsweise indem der Betrieb von Haushaltsgeräten in Zeiten günstiger Stromerzeugung gesteuert wird.
  • Netzentlastung: Stromspeicher wirken unterstützend auf die Netzstabilität. In Zeiten hoher Netzeinspeisung speisen PV-Anlagen mit Stromspeicher den produzierten Strom nicht ein und glätten Spitzenlasten im öffentlichen Stromnetz.
  • Reduktion des CO₂-Ausstoßes: Eine normale Photovoltaikanlage auf einem Einfamilienhaus senkt bereits die CO₂-Emissionen, die durch den Strombezug anfallen. Mit einem Stromspeicher erhöht sich dieser Wert deutlich. 
  • Nutzung erneuerbarer Energien: Ein Stromspeicher unterstützt die Energiewende-Politik und ist ein wichtiger Beitrag zur Nutzung erneuerbarer Energien auf dem Weg zur Klimaneutralität.

Nachteile und Herausforderungen 

Neben den ökonomischen und ökologischen Vorteilen der Stromspeicher sind auch die Nachteile zu nennen: 

  • Hohe Anfangsinvestitionen: Auch wenn die Kosten für die Anschaffung und Installation eines Stromspeichers in den letzten zehn Jahren erheblich gesunken sind, muss eine hohe Anfangsinvestition eingeplant werden. Je nach Speichergröße liegen die Anschaffungskosten für einen Stromspeicher bei einem Einfamilienhaus in den meisten Fällen bei 2.500 bis 7.000 Euro. Diese Investition amortisiert sich über die Zeit durch Einsparungen bei der Stromrechnung und mögliche Förderungen, trotzdem ist der anfängliche finanzielle Aufwand für viele Haushalte eine Hürde.
  • Lebensdauer: Moderne Stromspeicher haben mit 15 bis 20 Jahren eine deutlich kürzere Lebensdauer als Solarmodule, die bei durchaus 30 Jahren liegt. Dies führt zu weiteren Kosten und erfordert eine Berücksichtigung bei der langfristigen Finanzplanung. 
  • Effizienzverlust: Die Effizienz von Batteriespeichern nimmt im Laufe der Zeit ab, anfangs altern die Stromspeicher sehr langsam, später geht der Alterungsprozess schneller.
  • Umweltverträglichkeit: Für die Herstellung von Stromspeichern werden kritische Elemente wie Lithium, Kobalt, Nickel oder Mangan benötigt. Die Gewinnung der Rohstoffe ist oft mit ökologischen und sozialen Problemen verbunden. Auch das Recycling der Batterien steht noch vor technischen und wirtschaftlichen Herausforderungen. 
  • Technische Komplexität: Die Installation eines Stromspeichers erfordert ein gewisses Maß an technischem Verständnis und eine sorgfältige Planung. Nur so kann sichergestellt werden, dass das System effektiv mit der Photovoltaikanlage und dem Haushaltsenergiebedarf zusammenarbeitet. Fehlkonfigurationen können die Leistung und Effizienz des Systems beeinträchtigen.
  • Regulatorische und rechtliche Herausforderungen: In einigen Regionen können regulatorische und rechtliche Rahmenbedingungen die Nutzung und den wirtschaftlichen Betrieb von Stromspeichern einschränken. Dazu gehören beispielsweise Einschränkungen bei der Einspeisung des überschüssigen Stroms in das öffentliche Stromnetz oder fehlende Anreize für die Installation von Stromspeichern.

Wirtschaftliche Überlegungen: Kosten vs. Nutzen 

Lohnt sich ein Stromspeicher für die Photovoltaikanlage? Wir haben eine Beispielrechnung anhand einer Musterfamilie durchgeführt. Der Vierpersonenhaushalt hat einen jährlichen Verbrauch von 4.000 Kilowattstunden Strom. Für die Installation einer 10-kWp-Photovoltaikanlage im Jahr 2024 wurden in der Beispielrechnung 10.000 Euro ohne Stromspeicher und 16.000 Euro mit einem Stromspeicher mit 10 kWh Kapazität angesetzt. 

Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Parameter:

 

ohne Speicher

mit Speicher

Kosten Photovoltaikanlage

10.000 €

16.000 €

Ertrag PV-Anlage (90 % Effizienz)

4.000 kWh

4.000 kWh

Eigenverbrauchsanteil

25 %

75 %

Eingespeister Anteil

75 %

25 %

Einspeisevergütung (Stand 2/2024)

0,0811 €/kWh

0,0811 €/kWh

Strompreis (Mittelwert Stand 2/2024)

0,42 €/kWh

0,42 €/kWh

Stromkosten ohne Photovoltaik/Jahr

1.680 €

1.680 €

Stromkosten mit Photovoltaik/Jahr

1260 €

420 € 

Einspeisevergütung/Jahr

243 €

81 €

Stromkostenersparnis/Jahr

663 €

1341 €

Amortisationszeit

15,1 Jahre 

11,9 Jahre

 

Mit Stromspeicher verdreifacht sich der Eigenverbrauch von Solarstrom, sodass weniger vom teureren Strom gekauft werden muss, um den kompletten Strombedarf zu decken. Obwohl die Anlage mit Stromspeicher deutlich teurer ist, amortisiert sie sich früher. Danach ist der Strom quasi umsonst, es fallen nur noch die Betriebskosten an. Die Berechnung liefert nur grobe Richtwerte, da Wartungskosten, Betriebskosten und der Leistungsrückgang der Batteriespeicher nicht berücksichtigt wurden. Außerdem unterliegt der Strompreis nicht vorhersehbaren Schwankungen. Bei der Berücksichtigung einer realistischen Strompreissteigerung von drei Prozent pro Jahr kann über 20 Jahre ein Mittelwert von 55 Cent pro Kilowattstunde angesetzt werden. Über 20 Jahre Laufzeit ergibt sich für die Photovoltaikanlage ohne Stromspeicher ein Gewinn von 5860 Euro, während er sich mit Stromspeicher fast verdreifacht. Die Investitionskosten für die Anlage wurden dabei bereits berücksichtigt. Bei der aktuell niedrigen Einspeisevergütung und den hohen Strompreisen lohnt sich ein Stromspeicher umso mehr, je höher der Eigenverbrauch ist. 

Weitere Einsparungen können sich durch Fördermöglichkeiten und steuerliche Aspekte ergeben. Die meisten bundesweiten Förderprogramme wurden in den letzten Jahren eingestellt, aktuell gibt es nur noch ein KfW-Förderprogramm, das einen zinsgünstigen Förderkredit für Strom und Wärme bietet. In einigen Bundesländern, Regionen oder Städten gibt es Zuschüsse zu Photovoltaikanlagen mit Stromspeicher. Hier lohnt es sich, bereits in der Planungsphase nach möglichen Förderprogrammen für Solaranlagen und Stromspeicher für den eigenen Standort zu schauen.

Seit 2023 sind Photovoltaikanlagen mit Stromspeicher und auch das Nachrüsten von Stromspeichern steuerfrei. Für Photovoltaikanlagen mit 30 Kilowatt Peak fällt für den Kauf, die Installation und die Reparatur keine Mehrwertsteuer an und auch die Einspeisung von eigenem Solarstrom in das Stromnetz ist steuerfrei.

Technologische Entwicklungen und Markttrends 

Weltweit wird an der Verbesserung bestehender und neuer Technologien geforscht, denn für eine Ausweitung der erneuerbaren Energien sind große Stromspeicher notwendig, um eine kontinuierliche Versorgung zu gewährleisten. Leistungsfähigere Batterien mit vorhandener Technologie, alternative Batteriesysteme und Speichertechnologien stehen im Mittelpunkt der Forschung. Fortschritte in der Speichertechnologie führen zu niedrigeren Kosten und höherer Effizienz und erhöhen die Energieunabhängigkeit, denn Haushalte und Unternehmen können ihren Eigenverbrauch optimieren. Effiziente und kostengünstige Speicherlösungen sind die Voraussetzung für eine kontinuierliche Energieversorgung mit erneuerbaren Energien und damit entscheidend für deren weitere Verbreitung.

Entscheidungshilfe: Für wen lohnt sich ein Stromspeicher? 

Lohnt sich ein Stromspeicher? Das hängt stark von individuellen Bedürfnissen, Umständen und Zielen ab. Wir haben anhand einiger Schlüsselfaktoren und typischer Nutzerprofile zusammengestellt, für wen sich ein Stromspeicher lohnen könnte.

Eigenverbrauchsmaximierung

Profil: Besitzer von Photovoltaikanlagen, die tagsüber wenig Strom verbrauchen.

Nutzen: Stromspeicher ermöglichen die Nutzung des tagsüber produzierten Solarstroms auch in den Abendstunden, was den Eigenverbrauch maximiert und die Stromkosten senkt. Das lohnt sich bei niedriger Einspeisevergütung und hohem Strompreis besonders.

Individuelle Energieautonomie 

Profil: Besitzer von Photovoltaikanlagen, die weitgehende Energieautonomie anstreben.

Nutzen: Stromspeicher ermöglichen 24/7 den Verbrauch des eigenen Solarstroms, dadurch werden die Versorgungssicherheit erhöht und die Energiekosten gesenkt.

Unabhängigkeit von Strompreisschwankungen

Profil: Haushalte in Gebieten mit hohen Strompreisen und/oder starken Preisschwankungen.

Nutzen: Ein Stromspeicher kann zur Unabhängigkeit steigender Strompreise und deren Schwankungen beitragen. Lohnenswert, wenn Stabilität und Vorhersehbarkeit der Stromkosten ein Hauptanliegen sind.

Notstromversorgung

Profil: Haushalte oder Unternehmen in Gebieten mit instabiler Stromversorgung oder häufigen Stromausfällen.

Nutzen: Stromspeicher können eine kritische Notstromversorgung bieten, um bei Ausfällen die wichtigsten Geräte oder das ganze Haus (Ersatzstromversorgung) weiterbetreiben zu können. Das lohnt sich für Nutzer, die auf eine kontinuierliche Stromversorgung angewiesen sind.

Für wen lohnen sich Stromspeicher nicht?

Stromspeicher lohnen sich nicht für Personen oder Haushalte, die außerhalb der Sonnenstunden einen geringen Energieverbrauch haben, in Regionen mit sehr niedrigen Strompreisen leben, keine Möglichkeiten zur Installation einer eigenen Photovoltaikanlage besitzen und bei denen die Anschaffungs- und Installationskosten eines Stromspeichers die potenziellen Einsparungen durch den erhöhten Eigenverbrauch nicht rechtfertigen.

Fazit 

Die Entscheidung für einen Stromspeicher hängt von einer Vielzahl individueller Faktoren ab, wobei die Vorteile gegen die Nachteile und Herausforderungen abgewogen werden müssen. Mit einer individuellen Amortisationsrechnung kann grob abgeschätzt werden, wann sich ein Batteriespeicher lohnt. Das ist insbesondere bei niedriger Einspeisevergütung und hohem Strompreis der Fall. Auch wer eine maximale Nutzung von selbst erzeugten Strom anstrebt, Wert auf höhere Unabhängigkeit vom Stromversorger und Sicherheit legt und langfristig denkt, profitiert von einem Stromspeicher. Da die Technologie der Stromspeicher sich kontinuierlich weiterentwickelt und die Kosten voraussichtlich weiter sinken werden, wird die Attraktivität von Stromspeichern in Zukunft noch weiter steigen. 

FAQs

Wann lohnt sich ein Stromspeicher?

Ein Stromspeicher lohnt sich, wenn weitgehende individuelle Energieautonomie angestrebt wird, sich mit der Installation der Eigenverbrauch des selbst erzeugten Stroms maximiert und der Bezug von Netzstrom minimiert werden kann, oder wenn die Differenz zwischen der Einspeisevergütung und dem Strompreis groß ist. 

Ist ein Speicher bei Photovoltaik sinnvoll?

Mit Stromspeichern kann Solarstrom auch in der Dämmerung und nachts genutzt werden. So werden die Unterschiede zwischen Erzeugung und Verbrauch ausgeglichen und eine weitgehende individuelle Energieautonomie ermöglicht. 

Was sind die langfristigen Vorteile eines Stromspeichers?

Stromspeicher ermöglichen langfristig eine weitgehende Energieautonomie, eine verbesserte Netzstabilität und deutliche Einsparungen bei den Stromkosten. Durch die optimierte Nutzung erneuerbarer Energien werden CO₂-Emissionen reduziert.

Kann jeder Haushalt von einem Stromspeicher profitieren?

Ein Stromspeicher braucht eine Anlage zur Energieerzeugung, wie etwa eine Photovoltaikanlage. Ob sich ein Stromspeicher lohnt, hängt von individuellen Bedürfnissen, Umständen und Zielen ab.

 

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Über den Autor

Hallo, ich bin Mike Seeger, Elektroingenieur und begeisterter Solarteur. Meine Leidenschaft für Photovoltaik und erneuerbare Energien hat mich nicht nur zum Mitgründer von inselvolt gemacht, sondern auch zu einem überzeugten Erzähler und Ratgeber in dieser dynamischen Branche.

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